Skip to content

Schule in Japan


In Japan unterliegen Kinder und Jugendliche einem Leistungsdruck und disziplinierenden Zwängen, von denen sich Westeuropäer nur schwer ein zutreffendes Bild machen können. So besuchen z. B. Schwangere Kurse, bei denen ihre ungeborenen Kinder durch laute Schreie Wissen erwerben sollen. Der Gipfel des Leistungsdrucks wird in der 9. Klasse erreicht, denn am Ende dieses Schuljahres finden die Aufnahmeprüfungen für die weiterführenden Schulen statt. Deshalb besuchen die 9-Klässler Japans, deren Eltern die Mittel dafür aufbringen können, an jeden Nachmittag, an jedem Wochenende, in den Ferien und an Feiertagen private Schulen, wo sie in kleinen Gruppen auf die Tests der Gymnasien vorbereitet werden. Nur wer den Sprung in eines der angesehenen Gymnasien schafft, dem eröffnet sich die Chance, einen Platz an einer angesehenen Universität zu bekommen. Und nur wer eine angesehene Universität besucht hat, erhält eine Stellung bei einer der angesehenen Firmen Japans.

Große Resignation herrscht bei den Jugendlichen, die in den Prüfungen am Ende der 9. Klasse schlecht abgeschnitten haben. Viele dieser gescheiterten jungen Menschen fallen dann durch aggressives Fehlverhalten auf.

Siehe hierzu:

Toshiko Ito (1997): „Zwischen »Fassade« und wirklicher Absicht“, Zeitschrift für Pädagogik, Heft 3,. Seite 449-466, http://www.ggg-nrw.de/Pack/welcome.html, Abschnitt „Sonstige Texte“

Thomas Euting (2002): Kinder ohne Kindheit, http://www.infojapan.de/kultur/kind.htm

Stichworte zu japanischen Jukus und zur Kumon-Methode

1. Die privaten Schulen (die Jukus):

Während in Finnland das professionelle Fördern in kleinen Gruppen zum Auftrag der staatlichen Schulen gehört, wird in Japan am Nachmittag, am Wochenende und in den Ferien in den privaten „Jukus“ Unterrichtsstoff kleinschrittig und intensiv durchgearbeitet. In den öffentlichen Schulen Japans sitzen zwar bis zu 40 Kinder in einer Klasse, daneben werden jedoch in den japanischen Jukus 2 bis 4 Kinder von einem Lehrer betreut.

In Japan erhalten „viele Schüler aller Klassenstufen in privaten Nachmittags- und Abendschulen (den Jukus) Ergänzungsunterricht …Etliche Eltern schicken ihre Kinder … sogar vor Beginn der Schulpflicht … in diese Schulen … je näher die Aufnahmeprüfungen zur Oberschule rücken, desto wichtiger wird für … Schüler bzw. ihre Eltern die Unterstützung durch didaktisch und methodisch kompetente Lehrkräfte (in den Jukus). In der 9. Klasse sind es zwei Drittel aller Schüler, die in einer Ergänzungsschule Unterricht …. erhalten.“ (Schümer 1998)

„Besonders ehrgeizige Eltern schicken ihre Babys bereits im Alter von 16 Monaten auf „Kumon-Schulen“, an denen die Kleinkinder Mathematik lernen sollen. Viele japanische Familien scheuen keine Kosten. So stecken sie umgerechnet bis 100.000 Euro in die Ausbildung eines Kindes vom Kindergarten bis zum Erwerb der Universitätsreife.“ (WDR 2004)

„In den japanischen Jukus sind die Gruppen, um so kleiner je höher das Schulgeld ist “ (Hagemeister 2001)

„Statt großer Klassen wie in den regulären Schulen findet man (in den Jukus) individuelle Betreuung und Kleingruppenunterricht … Lernbedingungen, die die …. Defizite der regulären Schulen kompensieren“ (Schümer 1998, Seite 215)

In den privaten Jukus wird „geübt, und wiederholt und auswendiggelernt, und zwar mit einer Ausdauer und Intensität, die … deutsche Kinder außerordentlich befremden würde.“ (Schümer 1998, Seite 195 bis 228)

2. Die Kumon Methode im Fach Mathematik:

„Das Lernen nach der Kumon-Methode (gewinnt in den privaten Schulen Japans) zunehmend an Bedeutung:

  • man bietet (dem Kind in der privaten Schule) den Stoff in kleinen Schritten dar, deren Abfolge gut durchdacht ist, und steigert die Anforderungen erst dann, wenn es das bisher Gelernte im Schlaf beherrscht.“ (Schümer 1998, Seite 217)
  • „Jeder Schüler bekommt eine Mappe mit mehreren Päckchen von drei bis fünf handlichen Arbeitsblättern (etwa DIN A5), die auf seine Lernvoraussetzungen abgestimmt sind. Jeden Tag ist ein Päckchen (zu Hause) zu bearbeiten …
  • Zweimal pro Woche geht der Schüler in eine Kumon-Klasse … Der Lehrer nutzt die Durchsicht der Blätter zur Diagnose … über die er genauestens Buch führt, und händigt dem Schüler neue Blätter mit vergleichbaren oder schwierigeren Aufgaben aus …
  • Dieser Rhythmus wird ohne Unterbrechung das ganze Jahr über durchgehalten, d.h. gelernt wird auch an Sonn- und Feiertagen und in den Ferien.“ (Schümer 1998, Seite 218)

Literaturhinweise:

Schümer, Gundel (1998): „Mathematikunterricht in Japan – ein Überblick über den Unterricht in öffentlichen Grund- und Mittelschulen und privaten Ergänzungsschulen“ in: Unterrichtswissenschaft, 26. Jg., Heft 3, Seite 195 bis 228 WDR (2004): „Internationale Schulsysteme zwischen antiquiert und zukunftsorientiert“ (ein Interview mit Prof. Dr. Peter Struck, Stand: 04.04.2003)

Hagemeister, Volker (2001): „Ein Beitrag zur Analyse der empirischen Basis von TIMSS“, in: MNU, Jg 54, Heft 3, S. 178-184