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Nachteile Zentraler Prüfungen


Zentrale Examen bringen nicht mehr, sondern weniger Prüfungsgerechtigkeit

Zentral gestellte Prüfungsaufgaben, die in die Abschlussnoten der Schüler eingehen, bringen nicht mehr, sondern weniger Prüfungsgerechtigkeit, weil Schüler, die unterschiedlich unterrichtet wurden, dieselben Aufgaben lösen müssen. Insbesondere werden die Schüler benachteiligt, die unter ungünstigen Schulbedingungen zu leiden hatten. Deshalb sollte man zentral-gestellte Tests nur zu Diagnosezwecke einsetzen. Anstatt jungen Menschen am Ende der Schulzeit mit einer zentralen Prüfung zu bescheinigen, dass ihre Schulbedingungen in Berlin-Kreuzberg nicht so günstig waren wie in Berlin-Zehlendorf, sollten leistungsfähige Tests entwickelt werden, die frühzeitig ein differenziertes Bild möglicher Defizite liefern.

Wie schon beim ersten Durchgang, sind auch in der zweiten zentral-gestellten Mathematikarbeit für den "mittleren Schulabschluss" in Berlin etwa ein Viertel der Schüler durchgefallen. Beklagt wird allgemein, dass die Lehrer dringend fortgebildet werden müssten, damit sie ihre Schüler besser auf die zentral-gestellten Aufgaben vorbereiten können. Indirekt wird also eingeräumt, dass die Schulverwaltung Aufgaben gestellt hat, die nicht zu dem Unterricht gepasst haben, den die Schüler erhalten hatten.

Ein Problem bei den zentral-gestellten Mathematikarbeiten in Berlin sind die ungewohnten Textaufgaben. Wenn nun die Schulverwaltung der Meinung ist, dass das Lösen von Textaufgaben am Ende der 10. Klasse beherrscht werden sollte, so wäre es gerechter und wirksamer gewesen, wenn bereits in der 7., der 8. und der 9. Klasse landesweit Tests einsetzt worden wären, die entsprechende Textaufgaben enthalten. So hätten sich Lehrer und Schüler rechtzeitig auf die veränderte Zielsetzung des Mathematikunterrichts einstellen können. Weil die Schulverwaltung nicht dafür gesorgt hat, dass solche Tests eingesetzt und dass die Lehrer rechtzeitig fortgebildet werden, werden die Schüler nun mit schlechten Noten bestraft.

Mit zentralen Prüfungen werden falsche Arbeitstechniken gefördert

Ein gravierender Nachteil Zentraler Prüfungen ist ferner, dass das Arbeiten auf eine punktuelle Prüfung hin in der Schule ein zu starkes Gewicht erhält, womit das Einüben sinnvoller Arbeitsstrategien vernachlässigt wird. Arbeitsstrategien, die im Nachdenken über Unterrichtsinhalte, im eigenständigen Wiederholen und Vertiefen und im Beschaffen ergänzender Informationen bestehen, sind für die Studierfähigkeit von sehr viel größerer Bedeutung als das Abschneiden in einem punktuellen schriftlichen Examen.

Eine Begründung für diese und weitere Thesen zum Thema zentrale Prüfungen finden Sie in dem Text:

"Die Nachteile zentraler Prüfungen: Argumente und empirische Belege", eine Bewertung zentral-gestellter Aufgaben aus pädagogischer Sicht, pdf-Datei, 106K, 9 Seiten Text

Aus TIMSS und PISA folgt nicht, dass zentrale Prüfungen zu besseren Leistungen führen

Weder aus TIMSS noch aus PISA lässt sich ableiten, dass zentrale Prüfungen zu besseren Leistungen führen. So hat z. B. bei TIMSS der flämische Teil Belgiens, wo es keine zentralen Prüfungen gibt, in Europa die besten Ergebnisse erzielt. Auch im Mittel haben die westeuropäischen Staaten mit zentralen Prüfungen oder landesweiten Vergleichsarbeiten sowohl bei TIMSS wie auch bei PISA nicht besser abgeschnitten.

Siehe hierzu folgende Tabellen:

"Die TIMSS-II-Ergebnisse der westeuropäischen Staaten mit und ohne Zentralabitur", pdf-Datei, 45K, 1 Seite, 1 Tabelle

PISA-2000 und PISA-2003: Der Einfluss überregionaler Leistungsvergleiche, gemittelt über alle OECD-Staaten, entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil (OECD-Total). Die OECD-Mittelwerte im Textverständnis-Test, im Mathematik- und Naturwissenschaften-Test und in dem Test zum Problemlösen. pdf-Datei, 27K, eine Seite, 2 Tabellen

PISA-2000, Ergebnisse westeuropäischer Staaten im Test zum Textverständnis, in Abhängigkeit davon, ob sich Schulen an überregionalen Leistungsvergleichen beteiligen, pdf-Datei, 42K, 2 Seiten, eine Tabelle

PISA-2000 und -2003, der Einfluss überregionaler Leistungsvergleiche auf die Testergebnisse in Kanada, pdf-Datei, 35K, eine Seite, eine Tabelle

Aus dem Bericht über TIMSS-III, Resümee zum Abschneiden der deutschen Bundesländer mit und ohne Zentralabitur, pdf-Datei, 113k, eine Seite mit Tabelle und Zitaten

PISA-2000, Textverständnis-Test: Der Einfluss überregionaler Leistungsvergleiche, pdf-Datei, 28K, 3 Seiten, eine Tabelle

Der Stand der empirischen Forschung wird in folgendem Beitrag diskutiert:

"Zentrale Prüfungen: Für eine Verbesserung der Qualität von Bildung fehlen bislang die empirischen Belege", pdf-Datei, 95K, 8 Seiten Text