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Ganztagsbetreuung von Kindern


In den staatlichen Krippen Deutschlands sind die Gruppen viel zu groß

Kleinkinder werden nur dann in öffentlichen Einrichtungen besser als zu Hause gefördert, wenn im Elternhaus sehr schlechte Bedingungen herrschen und wenn in der Kinderkrippe (wie in Finnland) für 4 anwesende Kinder mindestens ein Erzieher vorhanden ist.

In den Krippen der neuen wie der alten Bundesländer kommen im Mittel etwa 9 Kleinkinder auf einen Erzieher. Sich hier aufzuhalten (womöglich ganztägig), ist für die Mehrzahl der Kinder von erheblichem Nachteil.

Siehe hierzu:

“Aus dem finnischen Gesetz, das die Zahl der Kinder pro Erzieher in Krippen und Kindergärten regelt”, pdf-Datei, 29K, eine Seite

Die Studie von Eva Schmidt-Kolmer zur Entwicklung der Krippenkinder in der DDR

In den 50-er Jahren wurde in der DDR die “Wochenkrippe” systematisch ausgebaut. Mit dem 3. Lebensmonat wurden Babys von Montag bis Freitag in einer Krippe betreut, was für die Arbeitsleistung der Eltern sehr förderlich war. Nicht förderlich war dies für die Kinder, wie man bald feststellen musste. Das Wochenkrippen-Programm wurde wieder zurückgefahren.

Weil sie täglich Kontakt zu ihren Eltern hatten, entwickelten sich die Kinder in den Tageskrippen der DDR sehr viel besser als die Wochenkrippen-Kinder: Unter Leitung der führenden Soziologin der DDR, Prof. Dr. Eva Schmidt-Kolmer wurden 1971 bis 1973 bei 6000 DDR-Krippenkindern vom 1. bis zum 3. Lebensjahr die Entwicklung der Sprache, der Motorik, der Spielaktivitäten und des sozialen Verhaltens beobachtet und mit Tests erfasst. Bei dieser Studie zeigte sich, dass sich die Kinder umso besser entwickelten, je mehr Zeit die Eltern mit den Kindern verbrachten. “In den ersten beiden Lebensjahren hängt die gesamte psychische Entwicklung des Kindes entscheidend von der gemeinsamen Tätigkeit” mit den Eltern ab.

Siehe hierzu:

Eva Schmidt-Kolmer (Hrsg., 1977): “Zum Einfluß von Familie und Krippe auf die Entwicklung von Kindern in der frühen Kindheit”, VEB Verlag Volk und Gesundheit, Berlin

Unterschiede in der Entwicklung von Kindern in Tageskrippen und in Wochenkrippen, Auszug aus der Veröffentlichung von Schmidt-Kolmer (1977), pdf-Datei, 585K, 4 Seiten Text und Tabellen

Der Einfluss des Elternhauses auf die Entwicklung von Kindern in den ersten 3 Lebensjahren, Auszug aus der Veröffentlichung von Schmidt-Kolmer (1977), pdf-Datei, 146K, 5 Seite Text und Tabelle

Hans-Joachim Laewen, Beate Andres: “Zur Situation der Kinderkrippen in den neuen Bundesländern, Expertise für den 9. Jugendbericht der Bundesregierung”, München, 1993, http://www.infans.de/abproj/Expertise-9_Jugendbericht-c.pdf

Die US-Langzeitstudie NICHD zur Wirkung von Krippen und Kitas

Was Frau Schmidt-Kolmer in den 60-er und 70-er Jahren in Krippen der DDR ermittelt hat, wird weitgehend bestätigt durch die “Early Child Care and Youth Development” Studie des “National Institute for Child Health and Human Development” (NICHD): 1990 wurde in den USA eine Langzeitstudie gestartet, bei der die langfristigen Auswirkungen der Unterbringung kleiner Kinder in Einrichtungen wie Krippe und Kita untersucht wurde. Die Entwicklung der Kinder wurde von Geburt an erfasst, durch Beobachtungen, durch Fragebögen für Eltern, Erzieher und inzwischen auch für Lehrer und durch Tests in den Bereichen Wortschatz, Lesen und Mathematik. Im neuesten Bericht von NICHD sind die Beobachtungen und Daten von 1364 Kindern enthalten, die inzwischen die 6. Klasse erreicht hatten. Es wurden z. B. folgende Ergebnisse ermittelt:

Der Wortschatz der Kinder ist in der 6. Klasse umso größer, je besser die Qualität ihre Kita war. Deutlich stärker wirkt sich jedoch auch beim Wortschatz die Qualität der Betreuung im Elternhaus aus. Die Qualität der Betreuung im Elternhaus hat ferner signifikant positiven Einfluss auf die Fertigkeiten im Lesen und in Mathematik, wohingegen positive Wirkungen der Kita auf diesen Feldern nicht signifikant sind.

Ein Befund der NICHD-Studie hat in den USA Besorgnis ausgelöst: Kinder, die in öffentlichen Krippen und Kitas betreut worden sind, sind häufiger aggressiv, ein Effekt, der auch in der 6. Klasse noch signifikant ist.

Die NICHD-Studie zeigt sehr deutlich, dass die Qualität von Krippe und Kita von großer Bedeutung ist. Eine notwenige Voraussetzung für gute Qualität ist z. B., dass bei Ein- bis Dreijährigen auf einen Erzieher höchstens 4 Kinder kommen.

Siehe hierzu:

The NICHD Early Child Care Research Network: “Are There Long-Term Effects of Early Child Care?” In: Child Development, March/April 2007, Volume 78, Number 2, Pages 681 – 701

Die Bedeutung des Elternhauses für die Entwicklung von Kindern

Die in Deutschland zurzeit vorherrschende Meinung, dass sich Kinder nur dann geistig und sozial gut entwickeln, wenn sie Krippe und Kita besucht haben, wird durch die US-Langzeitstudie NICHD nicht bestätigt. Bei Kindern, die nicht in einer staatlichen Krippe, sondern von fürsorglichen Eltern betreut wurden, werden später in der Schule nicht nur geringere Aggressivitäts-Werte, sondern auch eine bessere Arbeitshaltung und das bessere soziale Verhalten registriert. Hinzu kommt dann noch, dass zu Hause betreute Kinder später in der Schule in Mathematik und im Lesen signifikant besser sind (siehe oben, NICHD 2007, Tabelle 6).

Auch die Auswertung der bei PISA eingesetzten Tests zeigt, dass der Einfluss der erfassten Elternhaus-Variablen auf die Testergebnisse von allergrößter Bedeutung ist. (wie ein Vergleich der “Elternhaus-Variablen in Tabellen zu PISA” und der “Schul-Variablen in den Tabellen zu PISA” zeigt).

Eine Zunahme der Krippenplätze hat keine Zunahme der Geburtenrate zur Folge

In der DDR hatte man das Angebot an Krippenplätzen seit den 50-er Jahren massiv ausgebaut. Allein von 1950 bis 1960 stieg die Zahl der Krippenplätze auf das Zehnfache an. Trotzdem entwickelte sich die Geburtenrate in der DDR nicht anders als in der Bundesrepublik. Erst mit der Einführung des “Babyjahrs” für das 2. Kind nahm die Geburtenrate in der DDR ab 1976 vorrübergehend zu. Nicht das Angebot an Krippenplätzen, sondern die Befreiung von dem Zwang, alle Babys mit dem 3. Monat in die Krippe zu geben zu müssen, ließ die Geburtenrate einige Jahre hindurch ansteigen.

Siehe hierzu:

“Entwicklung der Geburtenhäufigkeit von 1960 bis 1995″, pdf-Datei, 156K, Graphik, eine Seite