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Falsche Akzente in der von PISA ausgelösten bildungspolitischen Diskussion


Die unterschiedliche Herkunft und Anzahl der Immigranten wurde unzureichend berücksichtigt

Bei der Planung und Auswertung der PISA-Studie wurde unzureichend berücksichtigt, dass zwischen den Immigranten, die in den verschiedenen PISA-Teilnehmer-Staaten leben, erhebliche Unterschiede in Bezug auf Bildungsstand und soziale Stellung bestehen. In einigen Staaten – z. B. in Kanada oder in Neuseeland – haben die Kinder neu eingewanderter Immigranten bei PISA genauso gut oder sogar besser abgeschnitten als die einheimischen Kinder, weil Akademiker unter den Immigranten überrepräsentiert sind und weil die meisten Einwanderer in Kanada oder Neuseeland die Landessprache bereits beherrschen. Dagegen gehören in Frankreich oder Deutschland viele Kinder mit Migrationshintergrund der sozialen Unterschicht an. Unter den französischen Immigranten gibt es andererseits viele, in deren Herkunftsland auch Französisch gesprochen wird. Bei uns beherrscht dagegen kaum ein Einwanderer bereits vor der Einreise die Deutsche Sprache und Akademiker sind unter unseren Immigranten unterrepräsentiert. Entsprechend schlechte Ergebnisse haben die Kinder mit Migrationshintergrund in Deutschland bei PISA erzielt.

Die PISA-Mittelwerte sagen viel über die Ausländerpolitik, fast gar nichts über Schulsysteme aus

Der Mittelwert, den ein Staat beim PISA-Nationen-Ranking erreicht hat, sagt viel über die Ausländerpolitik und die Geschichte des Staates, aber nur wenig oder gar nichts über das jeweilige Schulsystem aus. Im Gegensatz hierzu wurde bisher in fast allen Veröffentlichungen zu PISA der schlechte Listenplatz Deutschlands vor allem als Beleg für ein Versagen unseres Schulsystems angesehen. Deshalb wurden in der von PISA ausgelösten bildungspolitischen Diskussion falsche Akzente gesetzt. Nicht ein rascher Umbau unseres Bildungssystems ist vordringlich vonnöten, sondern die gezielte sprachliche Förderung unserer Immigranten. Hier stehen wir in Deutschland vor einer gewaltigen Aufgabe, weil die Versäumnisse von Jahrzehnten aufgearbeitet werden müssen. Empfehlenswert ist, sich dabei an finnischer Förderintensität und -professionalität zu orientieren, wo Kinder mit Migrationshintergrund von Speziallehrerinnen vor und parallel zur regulären Schule in kleinen Gruppen sehr effektiv gefördert werden.

Weitere Informationen und Argumente zur Interpretation der PISA-Ergebnisse

Falsche Akzente in der von PISA ausgelösten bildungspolitischen Diskussion – weil der Migrationshintergrund der getesteten 15-Jährigen unzureichend erfasst wurde. pdf-Datei, 110K, 8 Seiten Text und Tabellen